Diese Vereinschronik fasst das Auf und Ab der 100-jährigen Vereinsgeschichte zusammen und soll an besondere Ereignisse und Leistungen in erinnern.

Zweck des Vereins, so wurde es in der Vereinssatzung festgelegt, ist die Erhaltung und Pflege der Mundart und der Gebirgstracht, der alten Sitten und Gebräuche, sowie die Unterhaltung im geselligem Kreise durch Musik und Gesang und die Übung in alten Tänzen. Dieser Zweck wird verwirklicht insbesondere mit der Durchführung und Mitwirkung bei bodenständigen Brauchtumsveranstaltungen, sowie bei der Mitarbeit in der Heimatpflege.

In Bad Reichenhall, das aufgrund seines Charakters als Gebirgsstadt geradezu berufen ist, die Ideale der Trachtenbewegung aufrecht zu halten, gruppierten sich schon früh Tischgesellschaften, die schuhplattelnd herumzogen. Mit einer Brauchtumspflege in unserem Sinn hatte dies aber wenig zu tun.

Es gab aber auch ernsthafte Verfechter der Trachtensache, wie man aus den Bemühungen der frühen Vereinsgründungen ersehen kann. Soweit bekannt, gab es in Bad Reichenhall folgende Vereinigungen:

- "D' Hochstaufner", gegründet am 06.08.1893,
- "D' Schlegler",
- die "Kirchhölzler",
- die "Almrausch – Gmoa", die sich später "Edelweisser" nannten.

All diese Verbindungen haben die Jahrhundertwende nicht, oder nur kurz überlebt. Wie aus den zur Verfügung stehenden Quellenmaterial hervorgeht, hatten die "Schlegler" Anteil an der Gründung der "Saalachthaler" und bekannte Mitglieder der "Edelweisser" findet man schon 1910 in den Reihen der "Saalachthaler" wieder.

Unter dem Namen "GTEV die lustigen Saalachthaler" wurde am
18. Juni 1900 der Verein von den Reichenhaller Bürgern Sepp Leitner (Gründungsvorstand), Florian Neumaier, Hans Bose, Benedikt Stadler, Hans Niederwieser und Josef Lenz gegründet. Der junge Verein nahm nur Reichenhaller auf. Als erste Mitglieder traten Anton Andessner und Ferdinand Welker in den Verein ein. Als Vereinslokal wurde der Fischerbräukeller bestimmt. Noch im gleichen Jahr schloss man sich dem Gauverband I an. Wie es allerdings dazu kam, dass die "Lustigen Saalachthaler" aus Bad Reichenhall im Protokollbuch des Gauverbandes schon 1898 als 33. Verein geführt wurden, ist heute leider nicht mehr feststellbar.

Beim Amtsgericht in Laufen erfolgte am 19. Februar 1923 unter dem Geschäftszeichen VR 63 die Eintragung in das Vereinsregister. Im Laufe der Jahre gab es Änderungen des Vereinsnamens. Ab 1924 "Heimat- und Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Saalachthaler" und seit 1927 "1. Reichenhaller Heimat- und Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Saalachthaler e.V."

In den für Bad Reichenhall so glücklichen Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurde sehr viel für das Vergnügen der Kurgäste getan. Die Vereine wetteiferten geradezu, den Gästen ihren Aufenthalt fröhlich zu gestalten. Auch die "Saalachthaler" beteiligten sich mit Gartenfesten und Almtänzen daran.

1903

Erstmals am 01. August zeigten die "Saalachthaler" einen Almabtrieb, der durch die Straßen der Stadt führte und in regelmäßigen Abständen bis 1948 wiederholt wurde.

1905

Am 23. Juli konnte die Standarte am Marktplatz feierlich enthüllt werden. Festredner war der Gründer des Gauverbandes I, Franz Xaver Huber, Fahnenmutter die Gablerbäuerin aus Nonn. Die Patenschaft übernahm der GTEV Siegsdorf.

In der Ausgabe vom 22. Juli des Reichenhaller Grenzboten wurde die Standartenweihe mit einem Inserat angekündigt. Auch der Turnverein Bad Reichenhall bat seine Mitglieder mit einem Inserat an dem Fest teilzunehmen.

Ausführlich berichtete der Reichenhaller Grenzbote in der Ausgabe vom 29. Juli darüber. Ein Auszug aus dem Bericht:

"-Bad Reichenhall, 25. Juli. Dem Beispiele vieler anderer oberbayr. Städte und Orte folgend, gründete sich auch dahier vor mehreren Jahren bereits ein Verein zum Zwecke, die alte Gebirgstracht zu erhalten und gleichzeitig die Sitten und Gebräuche der Vorfahren, den charakteristischen Schuhplattlertanz zu pflegen. Der Verein legte sich den Namen "Die lustigen Saalachthaler" bei, und unter einer strebsamen Leitung nahm derselbe einen raschen Aufschwung. Es kam allmählich die Zeit, wo man an die Erwerbung eines sichtbaren Zeichens der Zusammengehörigkeit dachte, an eine Fahne und dieses Ziel wurde alsbald erreicht. Am vergangenen Sonntag wurde die neue Standarte feierlich enthüllt, womit ein ganz respektables Fest verknüpft war, das Fremden wie Einheimischen einen recht vergnügten Tag bereitet hat. In der Frühe, nachdem am Tage vorher ein Festabend im Fischerbräukeller vorangegangen war, kündeten Böllerschüsse sowie musikalischer Weckruf durch die Straßen der Stadt das Fest an. Allmählich trafen die auswärtigen Brudervereine, teils per Bahn, teils auf geschmückten Leiterwägen in malerischen Gruppen hier ein und um 1/2 10 Uhr marschierte der Festverein in Begleitung vieler auswärtiger Trachtenvereine mit ihren Fahnen und Musikkapellen, sowie der hiesigen Vereine (Feuerwehr, Veteranen-, Turn, Gesellen- und Radfahrverein) nach dem Stadtplatze, wo auf dem dort errichteten Podium, um welches sich die Vereine und eine zahlreiche Volksmenge gruppierten, die Enthüllung der hübsche Standarte stattfand....................".

1908

Am 08. und 09. August richtete der Verein das 18. Gaufest aus, zu dem 80 Vereine begrüßt werden konnten. Der Gauverband war durch seinen Protektor, Freiherr von Cramer-Klett und Gauvorstand Franz Xaver Huber vertreten. Zum Schmunzeln gibt heute noch Anlaß, dass Cramer-Klett damals von einem biederen Reichenhaller als "Kaufmann" Klett betitelt wurde. Offensichtlich war dem braven Mann –"Kramer"- zu gewöhnlich.

Mit welchen Mühen und Strapazen der Besuch eines Gaufest seinerzeit verbunden war, ist in einem handgeschriebenen Protokollbucheintrag (in Sütterlinschrift) unseres Patenvereins aus Siegsdorf festgehalten, der bei uns im Vereinsheim im Original einen Ehrenplatz hat.

Bericht über die Fahrt nach
Reichenhall am 09.08.1908
Mit betrübten Gesichtern infolge des dicht mit Regenwolken überzogenen Himmels, versammelten sich früh 4oo die Teilnehmer am Gaufeste im Vereinslokale. Die Abfahrt fand um 1/2 5 Uhr statt. An der Fahrt beteiligten sich 34 Pers. Außerdem fuhren noch einige per Bahn u. per Rad. Nach kurzem Aufenthalte im Mauthäusl kamen wir gegen 9oo unter klingendem Spiele der wackeren Siegsdorfer Musikkapelle und unter lautem Juchzen in Reichenhall an. Nach dem Kirchzug u. Gottesdienst teilte man sich in verschied. Gruppen, ein Teil besichtigte die Stadt, ein anderer besuchte Bekannte und wieder andere vergnügten sich am Festplatz mit Tanz und Platteln. Um 1oo fand sich Alles wieder zum Festzug ein. Der Festzug, an den wir uns an 4. Stelle mit Musik und 18 Damen u. 18 Herren beteiligten, zählte nahezu 80 Vereine.
Schnell verrauschten die Stunden, bis die Zeit uns zum Aufbruch mahnte. Unter den Klängen eines flotten Marsches fuhren wir um 1/2 5 Uhr in Reichenhall wieder ab. Nach 1 kürzeren Unterbrechung der Fahrt in Inzell kamen wir gegen 11oo in Siegsdorf an. – Besonders anerkennenswert war die zahlreiche Beteiligung der Siegsdorfer Bürger und deren Frauen, die als Gönner unseres Vereins rege Anteilnahme an derselben bekundeten.

Bayer, Schriftführer

1910

Am 20. August fand im Kurhaus mit der Kurkapelle und den "Lustigen Saalachthalern" ein Gebirgstrachtenfest statt. Der Chronist berichtete: "Ich fühle mich wie auf einem Münchener Bauernball versetzt, die vielen Herrischen, die auf der Galerie und den Seitenreihen in prächtigen Toiletten (wie sie unserer Kurstadt eigen sind) Platz genommen haben, gaben dem Abend ein bei aller Ungezwungenheit ein vornehmes Gepräge."

1914

mussten von den 43 männlichen Mitgliedern 31 zum Kriegsdienst einrücken. Nur 20 Trachtenkameraden kehrten wieder in die Heimat zurück.

1919

Nach den Stürmen des Krieges und Wirren des Umsturzes konnte Vorstand Mathias Landauer erst am 16. Februar 1919 die Vereinstätigkeit in vollem Umfang wieder aufnehmen.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 17.10.2017